Agrarwende anpacken!

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Bei der Wir-haben-es-satt-Demo am 18.01. in Berlin haben auch wir von Greenpeace Cottbus klar Flagge gezeigt und fordern „Agrarwende anpacken. Jetzt!“
Die Wir-haben-es-satt-Demo in Berlin ist jedes Jahr ein fester Termin zum traurigen Anlass – immer noch bestimmt die industrielle Landwirtschaft die Preisgestaltung auf dem Markt und in den Köpfen und trägt einen nicht unwesentlichen Teil zu Schäden an Natur, Umwelt und Klima bei. Von lokalen und regionalen Brennpunkten hat jeder schon gehört - die Nitratbelastung des Grundwassers durch zu hohe Düngemittelgaben, der Rückgang von Insekten und Feldvögeln durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den Verlust von Lebensraumstrukturen und Nahrungsangebot, Treibhausgasemissionen durch intensive Tierhaltung und die Nutzung degradierter Niedermoore als Ackerland, Landgrabbing, nicht artgerechte Tierhaltung in Megaställen, damit verbunden zunehmende Antibiotikaresistenzen, Höfesterben usw. Die Globalisierung der Landwirtschaft und der damit verbundene Preis- und, vermeintlich, Intensivierungsdruck sind die größten Triebfedern für diese rasante Entwicklung in die falsche Richtung. Wird Rindfleisch aus Südamerika nach Europa exportiert entstehen nicht nur jede Menge Treibhausgase durch den langen Transport und die Brandrodung südamerikanischer Wälder für neue feedlots, das importierte Fleisch erschwert auch hier den Absatz von Fleisch aus der Region – Fleisch, das regionalen Kleinbauern das Einkommen sichert und gleichzeitig die Erhaltung landschaftsökologisch wichtiger Grünlandökosysteme hier vor Ort ermöglicht. Im Gegenzug erschwert der Export europäischen Milchpulvers nach Südamerika die  Festigung eines dortigen Marktes für regionale Milchprodukte. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.
Warum wird auf der einen Seite die augenscheinliche Stärkung hiesiger kleinbäuerlicher Strukturen und regionaler Vermarktungswege zum Schutz von Natur, Landschaft, Klima und regionaler Wirtschaftsstrukturen propagiert, auf der anderen Seite wird durch Handelsabkommen wie das geplante EU-Mercosur-Abkommen aber genau das Gegenteil forciert? Wieso reden wir über Klimaschutz, wenn wir die Brandrodung tausender Hektar Regenwald in Brasilien als Preis für billiges Fleisch in unseren Supermärkten und einen vermeintlich günstigen Wocheneinkauf schweigend hinnehmen? Wieso wird in hohen Gremien über Insektenschutz debattiert, wenn wir Chemiekonzernen wie Bayer immer weiter Aufwind für den Export hochtoxischer Pflanzenschutzmittel geben? Pflanzenschutzmittel, die in der EU seit vielen Jahren verboten sind oder nie auf den Markt kamen. Warum schreibt man sich hierzulande die Förderung kleinbäuerlicher Betriebe auf die Fahne, wenn unser Konsum im selben Atemzug kleinbäuerliche Strukturen am anderen Ende der Welt zerstört? 
Mit „Agrarwende anpacken, Klima schützen“ war die zentrale Forderung der diesjährigen Wir-haben-es satt-Demo klar auf den Punkt gebracht. 27.000 Menschen haben klar Flagge gezeigt und fordern von der Regierung, dass sie endlich für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen einsteht. Damit fordert das Demonstrationsbündnis auch klar ein Veto Deutschlands gegen das geplante EU-Mercosur-Abkommen. Denn dieses Abkommen wäre ein großer Schritt in die falsche Richtung – aus Sicht von Ökologen, Landwirten, Klimaschützern und Menschenrechtlern.